Ratgeber · Fristen und Formalien

Zugang der Neben­kosten­abrechnung nachweisen: Einwurf-Einschreiben reicht nicht

Ob die Nebenkostenabrechnung rechtzeitig beim Mieter war, müssen Sie beweisen. Warum das Einwurf-Einschreiben dafür nicht genügt und was sicherer ist.
Aktualisiert am 29. Oktober 20263 Min. Lesezeit
Inhalt dieser Seite
  1. 1.Es zählt der Zugang, nicht der Versand
  2. 2.Was das Bundesarbeitsgericht entschieden hat
  3. 3.Einfacher Brief und Einschreiben mit Rückschein
  4. 4.So stellen Sie die Abrechnung sicher zu
  5. 5.Was Vermieter jetzt tun sollten
  6. 6.Häufige Fragen

Es zählt der Zugang, nicht der Versand

Die Nebenkostenabrechnung muss dem Mieter spätestens zwölf Monate nach dem Ende des Abrechnungszeitraums zugehen (§ 556 Abs. 3 BGB). Für das Kalenderjahr 2025 heißt das: bis zum 31. Dezember 2026. Es genügt nicht, den Brief rechtzeitig abzuschicken.

Kommt es zum Streit, tragen Sie als Vermieter die Beweislast für den rechtzeitigen Zugang. Bestreitet der Mieter, die Abrechnung bekommen zu haben, und können Sie das Gegenteil nicht belegen, ist eine Nachforderung in der Regel verloren. Ein Guthaben müssen Sie trotzdem auszahlen.

Was das Bundesarbeitsgericht entschieden hat

Das Bundesarbeitsgericht hat am 7. Mai 2026 (2 AZR 184/25) entschieden, dass ein Einwurf-Einschreiben im heutigen Scan-Verfahren der Deutschen Post keinen Anscheinsbeweis für den Zugang liefert. Anscheinsbeweis heißt: Das Gericht würde ohne weitere Belege annehmen, dass der Brief angekommen ist.

Der Grund: Der elektronische Auslieferungsbeleg entsteht, wenn der Zusteller die Sendung scannt, also bevor der Brief im Briefkasten liegt. Der Beleg zeigt deshalb nicht sicher, dass dieses Schreiben in den richtigen Briefkasten eingeworfen wurde. Der Fall betraf eine Kündigung im Arbeitsrecht. Die Frage, wie sich der Zugang eines Briefs beweisen lässt, stellt sich bei Ihrer Nebenkostenabrechnung aber genauso.

Einfacher Brief und Einschreiben mit Rückschein

Ein einfacher Brief ist noch schwächer: Dass Sie ihn rechtzeitig bei der Post aufgegeben haben, beweist nicht, dass er angekommen ist. Das gilt auch für Einschreiben ohne Rückschein.

Beim Einschreiben mit Rückschein ist der Zugang mit Datum und Unterschrift belegt. Es hat aber einen Haken: Ist der Mieter nicht zu Hause, liegt die Sendung bei der Post. Holt er sie erst nach Silvester oder gar nicht ab, kann die Frist verstrichen sein.

So stellen Sie die Abrechnung sicher zu

  • Bote: Eine Person, die nicht selbst Vermieter ist, liest die Abrechnung, steckt sie selbst in den Umschlag, wirft ihn in den Briefkasten des Mieters und notiert Datum, Uhrzeit und Anschrift. Sie kann später als Zeuge aussagen.
  • Persönliche Übergabe: Sie übergeben die Abrechnung und lassen sich den Empfang auf einer Kopie mit Datum und Unterschrift bestätigen.
  • Gerichtsvollzieher: sehr sicher, aber aufwendiger und teurer; eher für Fälle, in denen Sie mit Streit rechnen.

Planen Sie dafür Zeit ein. Wer die Abrechnung erst in den letzten Dezembertagen fertig hat, findet oft keinen Boten mehr.

Was Vermieter jetzt tun sollten

Erstellen Sie die Abrechnung 2025 so früh, dass Ihnen im Dezember mehrere Tage für die Zustellung bleiben. Legen Sie fest, wer als Bote zustellt, und bewahren Sie das Zustellprotokoll zusammen mit einer Kopie der Abrechnung auf.

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Quellen

  1. § 556 BGBgesetze-im-internet.de
  2. § 130 BGB (Zugang von Willenserklärungen)gesetze-im-internet.de
  3. KPMG Law: Einwurfeinschreiben bietet keinen sicheren Zugangsnachweis mehr (BAG 7.5.2026, 2 AZR 184/25)kpmg-law.de
  4. Loschelder: Zustellung nach BAG 7.5.2026, 2 AZR 184/25loschelder.de
  5. Haufe: Zugang der Nebenkostenabrechnung beim Mieterhaufe.de

Häufige Fragen

Reicht ein Einwurf-Einschreiben als Nachweis für die Nebenkostenabrechnung?
Nicht sicher. Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 7. Mai 2026 begründet der Auslieferungsbeleg im Scan-Verfahren keinen Anscheinsbeweis für den Zugang. Er kann ein zusätzlicher Hinweis sein, sollte aber nicht Ihr einziger Nachweis bleiben.
Wer darf die Abrechnung als Bote einwerfen?
Am besten eine Person, die nicht selbst Vermieter ist und vor Gericht als Zeuge aussagen kann, etwa ein Nachbar, ein Angehöriger oder der Hausmeister. Sie sollte die Abrechnung selbst lesen, kuvertieren, einwerfen und Datum, Uhrzeit und Anschrift notieren.
Bis wann muss die Nebenkostenabrechnung 2025 beim Mieter sein?
Rechnen Sie nach dem Kalenderjahr ab, muss die Abrechnung 2025 bis zum 31. Dezember 2026 beim Mieter angekommen sein. Maßgeblich ist der Zugang, nicht der Tag, an dem Sie sie abschicken.

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Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein über Themen rund um die Nebenkostenabrechnung. Er ist keine Rechtsberatung im Einzelfall und ersetzt sie nicht (Rechtsdienstleistungsgesetz). Für verbindliche rechtliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt, zum Beispiel für Miet- und Wohnungseigentumsrecht.

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