Ratgeber · Verteilung und Sonderfälle

Aufzugs­kosten im Erdgeschoss: Auch diese Mieter zahlen mit

Auch der Mieter im Erdgeschoss darf an den Aufzugskosten beteiligt werden, wenn der Mietvertrag es vorsieht. Das BGH-Urteil und was Sie umlegen dürfen.
Aktualisiert am 20. Oktober 20263 Min. Lesezeit
Inhalt dieser Seite
  1. 1.Was der Bundesgerichtshof entschieden hat
  2. 2.Warum der Nutzen keine Rolle spielt
  3. 3.Welche Aufzugskosten Sie umlegen dürfen
  4. 4.So verteilen Sie die Kosten
  5. 5.Häufige Fragen

Was der Bundesgerichtshof entschieden hat

Geklagt hatte ein Vermieter gegen Mieter einer Erdgeschosswohnung in einer Seniorenanlage. Das Haus hatte einen Aufzug. Ein Keller oder Dachboden, den man damit erreicht, gehörte nicht zur Mietsache. Für 2004 forderte der Vermieter 141,37 € Aufzugskosten, nach der Wohnfläche umgelegt. Der Mietvertrag war ein Formularvertrag und führte den Aufzug in der Betriebskostenaufstellung auf.

Der Bundesgerichtshof entschied: Die formularvertragliche Beteiligung des Erdgeschossmieters an den Aufzugskosten benachteiligt diesen nicht unangemessen. Sie entspricht dem Grundgedanken des § 556a Abs. 1 Satz 1 BGB, wonach Betriebskosten ohne andere Vereinbarung nach der Wohnfläche umzulegen sind.

Warum der Nutzen keine Rolle spielt

Das Gericht begründet das mit der Praktikabilität. Eine Verteilung nach tatsächlicher Nutzung wäre kaum umsetzbar. Man müsste nach Stockwerk unterscheiden und womöglich nach der Zahl der Nutzer je Wohnung. Das würde die Abrechnung unübersichtlich machen. Der Mieter muss deshalb einen einheitlichen, verallgemeinernden Maßstab grundsätzlich hinnehmen, auch wenn er die Anlage nicht sinnvoll nutzen kann. Vor- und Nachteile können sich bei den verschiedenen Kostenarten zudem ausgleichen.

Eine Grenze nennt das Urteil: Nur ein Fall krasser Unbilligkeit kann dem Mieter im Einzelfall einen Anspruch auf eine andere Verteilung geben (§ 242 BGB). Der lag dort nicht vor.

Welche Aufzugskosten Sie umlegen dürfen

§ 2 Nr. 7 BetrKV nennt für den Personen- oder Lastenaufzug:

  • den Betriebsstrom,
  • die Beaufsichtigung, Bedienung, Überwachung und Pflege der Anlage,
  • die regelmäßige Prüfung der Betriebsbereitschaft und Betriebssicherheit einschließlich der Einstellung durch eine Fachkraft,
  • die Reinigung der Anlage.

Reparaturen zählen nicht dazu. Sie sind Instandsetzung und bleiben beim Vermieter (§ 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV). Enthält ein Vollwartungsvertrag auch Reparaturen, müssen Sie diesen Anteil vor der Umlage herausrechnen. Wie das geht, erklärt der Beitrag Wartungskosten umlegen.

Die Kosten einer Notrufbereitschaft für einen Personenaufzug gelten als umlagefähig, weil § 2 Nr. 7 BetrKV die Beaufsichtigung und Überwachung der Anlage nennt (BGH, Urteil vom 18. Dezember 2019, VIII ZR 62/19).

So verteilen Sie die Kosten

Haben Sie im Mietvertrag nichts anderes vereinbart, verteilen Sie die Aufzugskosten nach der Wohnfläche (§ 556a Abs. 1 Satz 1 BGB). Dabei ist nach dem Urteil grundsätzlich auf die Gesamtwohnfläche des Hauses abzustellen. Gilt im Vertrag ein anderer Schlüssel, bindet er Sie. Prüfen Sie in jedem Fall zwei Dinge. Der Mietvertrag muss die Aufzugskosten umlegen, entweder durch einen Verweis auf die Betriebskostenverordnung oder durch eine Aufstellung der Kostenarten. Und die Flächen müssen stimmen, auf die Sie verteilen. Welche Schlüssel es gibt, zeigt der Beitrag Umlageschlüssel.

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Quellen

  1. BGH, Urteil vom 20.09.2006, VIII ZR 103/06bundesgerichtshof.de
  2. BGH, Urteil vom 18.12.2019, VIII ZR 62/19bundesgerichtshof.de
  3. § 556a BGB (Abrechnungsmaßstab für Betriebskosten)gesetze-im-internet.de
  4. § 2 BetrKV (Aufstellung der Betriebskosten)gesetze-im-internet.de
  5. § 1 BetrKV (Betriebskosten)gesetze-im-internet.de

Häufige Fragen

Kann der Erdgeschossmieter die Aufzugskosten aus der Abrechnung streichen lassen?
In der Regel nicht. Der Bundesgerichtshof hält die Beteiligung für zulässig, auch wenn der Mieter den Aufzug nicht nutzt (VIII ZR 103/06). Anders ist es, wenn der Mietvertrag das Erdgeschoss von der Umlage ausnimmt oder ausnahmsweise ein Fall krasser Unbilligkeit vorliegt (§ 242 BGB).
Gilt das auch für einen vorgedruckten Mietvertrag?
Ja. Gegenstand des Urteils war eine Formularklausel. Das Gericht sah darin keine überraschende Klausel und keine unangemessene Benachteiligung des Mieters (§§ 305c und 307 BGB).
Sind Reparaturen am Aufzug umlagefähig?
Nein. Reparaturen und der Austausch defekter Teile sind Instandsetzung und gehören nach § 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV nicht zu den Betriebskosten. Umlagefähig sind Strom, Beaufsichtigung, Bedienung, Überwachung, Pflege, die regelmäßige Prüfung und die Reinigung (§ 2 Nr. 7 BetrKV).
Welcher Schlüssel gilt, wenn der Mietvertrag nichts regelt?
Dann werden die Betriebskosten nach dem Anteil der Wohnfläche umgelegt (§ 556a Abs. 1 Satz 1 BGB). Bei einer vermieteten Eigentumswohnung gilt ohne Vereinbarung grundsätzlich der Maßstab der Eigentümergemeinschaft, wenn er nicht billigem Ermessen widerspricht (§ 556a Abs. 3 BGB).

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