Ratgeber · Verteilung und Sonderfälle

Wohnung steht leer: Wer zahlt die Nebenkosten?

Bei Leerstand tragen Sie als Vermieter die Nebenkosten selbst. Warum die übrigen Mieter nichts übernehmen und was bei Heizung und Eigentumswohnung gilt.
Aktualisiert am 18. Oktober 20263 Min. Lesezeit
Inhalt dieser Seite
  1. 1.Das Leerstandsrisiko trägt der Vermieter
  2. 2.Mehrfamilienhaus: Die Gesamtwohnfläche bleibt der Maßstab
  3. 3.Heizung: Auch die Grundkosten der leeren Wohnung tragen Sie
  4. 4.Steuerlich: Leerstand als Werbungskosten
  5. 5.So bilden Sie Leerstand in der Abrechnung ab
  6. 6.Häufige Fragen

Das Leerstandsrisiko trägt der Vermieter

Der Bundesgerichtshof stellt klar: Der Vermieter trägt das Vermietungsrisiko und damit das Leerstandsrisiko. Die auf leerstehende Wohnungen entfallenden Betriebskosten kann er deshalb grundsätzlich nicht auf die Mieter abwälzen (BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05). Zeiten ohne Mieter, etwa zwischen Auszug und Neuvermietung, bleiben bei Ihnen.

Bei einer vermieteten Eigentumswohnung gilt das Gleiche: Der Hausgeldanteil der Monate ohne Mieter bleibt bei Ihnen, an den Mieter geben Sie nur die umlagefähigen Positionen für seine Mietzeit weiter. Welche das sind, zeigt der Beitrag Welche Positionen der WEG-Abrechnung Sie auf den Mieter umlegen dürfen.

Mehrfamilienhaus: Die Gesamtwohnfläche bleibt der Maßstab

Ohne andere Vereinbarung werden Betriebskosten nach dem Anteil der Wohnfläche umgelegt (§ 556a Abs. 1 BGB). Dann ist die Gesamtwohnfläche des Hauses der Maßstab, leere Wohnungen eingeschlossen. Das gilt nach dem BGH auch für Kosten, die vom Verbrauch abhängen, aber mangels Erfassung nach der Wohnfläche abgerechnet werden. Wer die leere Wohnung aus der Rechnung nimmt und nur durch die vermietete Fläche teilt, verteilt den Leerstand verdeckt auf die Mieter.

Eine Anpassung des Schlüssels kommt nur in Betracht, wenn das Festhalten am Vertrag unzumutbar wäre (Störung der Geschäftsgrundlage). Bei geringem oder kurzem Leerstand ist das nicht der Fall (BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05).

Heizung: Auch die Grundkosten der leeren Wohnung tragen Sie

Von den Kosten der zentralen Heizungsanlage sind 50 bis 70 Prozent nach dem erfassten Verbrauch zu verteilen, der Rest nach Wohn- oder Nutzfläche (§ 7 Abs. 1 HeizkostenV). In der leeren Wohnung fällt kaum Verbrauch an, der Flächenanteil, die Grundkosten, aber schon. Nach dem Gedanken der BGH-Entscheidung, dass der Vermieter das Leerstandsrisiko trägt, bleibt dieser Anteil bei Ihnen. Melden Sie Ihrem Messdienst deshalb die Zeiten, in denen eine Wohnung leer stand.

Steuerlich: Leerstand als Werbungskosten

Wollen Sie die Wohnung weiter vermieten, können die Leerstandskosten Werbungskosten sein. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs bleiben Aufwendungen für eine zuvor auf Dauer vermietete, nun leerstehende Wohnung abziehbar, solange Sie den Entschluss zur Vermietung nicht endgültig aufgegeben haben. Für ernsthafte und nachhaltige Vermietungsbemühungen tragen Sie die Feststellungslast (BFH, Urteil vom 11.12.2012, IX R 14/12). Heben Sie deshalb Inserate und Nachweise zu Besichtigungen auf und sprechen Sie die Absetzung mit Ihrem Steuerberater ab.

So bilden Sie Leerstand in der Abrechnung ab

Wie Sie Leerstand beim Personenschlüssel und bei den Heizkosten genau abbilden, steht im Beitrag Leerstand in der Nebenkostenabrechnung. Den Leerstandsanteil weisen wir in der Nebenkostenabrechnung für das Mehrfamilienhaus offen als Anteil des Vermieters aus.

Quellen

  1. BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05bundesgerichtshof.de
  2. § 556a BGB (Abrechnungsmaßstab für Betriebskosten)gesetze-im-internet.de
  3. § 7 HeizkostenV (Verteilung der Kosten der Versorgung mit Wärme)gesetze-im-internet.de
  4. BFH, Urteil vom 11.12.2012, IX R 14/12 (dejure.org)dejure.org

Häufige Fragen

Darf ich die Kosten leerer Wohnungen auf die übrigen Mieter verteilen?
Nein. Bei Umlage nach Wohnfläche bleibt die Gesamtwohnfläche des Hauses der Maßstab, leere Wohnungen eingeschlossen. Der Anteil, der auf sie entfällt, ist Sache des Vermieters (BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05).
Wer trägt die Heizkosten einer leeren Wohnung?
Der erfasste Verbrauch der leeren Wohnung ist meist gering. Den Flächenanteil der Heizkosten (§ 7 Abs. 1 HeizkostenV) trägt der Vermieter, weil er das Leerstandsrisiko hat. Der Messdienst braucht dafür die Zeiten, in denen die Wohnung leer stand.
Wie kann ich vermeiden, dass leere Wohnungen beim Wasser mitzählen?
Mit Wohnungswasserzählern. Ist der Verbrauch je Wohnung erfasst, können Sie durch Erklärung in Textform vor Beginn eines Abrechnungszeitraums auf eine verbrauchsabhängige Umlage umstellen (§ 556a Abs. 2 BGB). Eine leere Wohnung verbraucht dann kaum Wasser. Auf diese Möglichkeit hat auch der BGH hingewiesen (BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05).
Kann ich Leerstandskosten steuerlich absetzen?
Ja, solange Sie die Wohnung weiter vermieten wollen und sich ernsthaft und nachhaltig darum bemühen. Die Nachweise tragen Sie (BFH, Urteil vom 11.12.2012, IX R 14/12). Die Einzelheiten klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

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Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein über Themen rund um die Nebenkostenabrechnung. Er ist keine Rechtsberatung im Einzelfall und ersetzt sie nicht (Rechtsdienstleistungsgesetz). Für verbindliche rechtliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt, zum Beispiel für Miet- und Wohnungseigentumsrecht.

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